Contour Crafting erobert die Welt – von einfachen Modulen bis hin zur Kleinstadt

Contour Crafting wurde 1995 von Behrohk Khoshnevis entwickelt, der eine Alternative zum 3D-Druck mittels Polymerstrukturen suchte. In seinen Experimenten verwendete der amerikanische Wissenschaftler Keramik, dass schichtweise von einem Roboter extrudiert wird. Später setze er mit dem 3D-Drucker auch zementähnliches Material ein und kreierte modulare Gebäudestrukturen. Für seine Forschung erhielt der Professor 2014 eine Auszeichnung der NASA im Rahmen des „Creating the Future“ Design-Wettbewerbs. Weltweit ist das Contour Crafting auf Interesse gestoßen. Besonders China und Dubai interessieren sich für die Möglichkeiten, welche mit dem neuen Bauverfahren geschaffen werden.

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Erste Gebäude aus dem Drucker in London, Dubai und Moskau

Im Jahr 2014 startete die Loughborough University mit dem schwedischen Bauunternehmen Skanska ein Partnerprojekt. Dabei wird der Einsatz von 3D-Druckverfahren in Realbedingungen getestet. So ist zum Beispiel die Überdachung für ein Londoner Bürogebäude mittels 3D-Druck entstanden. Im Manufacturing Technology Center forschen die Projektpartner zudem an der Software für die Roboter und das Zubringsystem, das diese mit dem Betongemisch versorgt.

Im Mai 2016 wurde in Dubai das erste Bürogebäude im Druckverfahren hergestellt. In nur 17 Tagen fertigte der Roboter Gebäudeteile für ein 250 Quadratmeter großes Haus. Diese wurden anschließend am Bestimmungsort zusammengefügt. Bei der Eröffnung des Bürogebäudes verkündete Scheich Mohammad Bin Rashid Al Maktoum die 3D-Druck Strategie der Vereinigten Arabischen Emirate. Bis 2030 sollen rund 25 Prozent aller Gebäude aus dem Drucker stammen. Da die Förderation in dem neuen Bauverfahren die Chance zur Reduktion von Müll, Bauzeit und dem Einsatz von Arbeitskräften sieht, soll eine Technologie zum weltweiten Einsatz entwickelt werden.

Ein weiteres Projekt im Dezember 2016 zeigte, dass nicht nur Gebäude mit dem 3D-Drucker errichtet werden können. In der Madrider Vorstadt Alcobendas baute das spanische Unternehmen ACCIONA eine Brücke, die eine Länge von 12 Metern aufweist und 1,75 Meter breit ist. Hierfür wurden separat Teile gedruckt und anschließend zusammengesetzt. Kurze Zeit später, im Februar 2017, errichtete das russische Unternehmen Apis Corp nahe Moskau das erste Haus in nur einem Tag. Hierfür setzten sie einen mobilen Roboter ein, der im Zentrum der Grundfläche aufgestellt wird. Er druckte innerhalb von 24 Stunden ein 38 Quadratmeter großes Haus.

Was uns in der nahen Zukunft erwartet

China sieht im Contour Crafting eine Lösung für die knappe Wohnungssituation in Großstädten wie Suzhou. Hier leben mehr als 10 Millionen Menschen. Bereits im Jahr 2015 errichtete das Unternehmen WinSu mithilfe eines Roboters eine 1100 Quadratmeter große Villa in der Stadt. Nun sollen weitere Gebäude folgen. Außerdem hat die Firma mit der ägyptischen Regierung einen Deal über den Bau einer Kleinstadt in der Wüste abgeschlossen. Hier soll Sand für die Konstruktion kleiner Wohnungen aufbereitet werden.

Währenddessen hat der Entwickler des Contour Craftings Behrohk Khosnevis sein eigenes Unternehmen, die Contour Crafting Corporation, gegründet. Dieses ist nun so weit mit der Robotertechnologie in Serienfertigung zu gehen. In der Schweiz hat sich zudem an der ETH-Zürich ein Forschungsteam gebildet, dass die Fertigung eines 3-stöckigen Hauses mithilfe eines 3D-Druckers plant. Hochhäuser aus dem Drucker sollen auch in Dubai entstehen. Dafür setzt sich das Start-Up Cazza ein. Dieses hat eine Technologie entwickelt, die es möglich macht 3D-Drucker auf einem Kran zu montieren. So hat das Unternehmen ein Projekt für den Bau eines Hochhauses an Land gezogen.

Foto: Contour Crafting Corporation

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