Mietercasting: Ein neuer Trend in der Immobilien-Branche?

Seit einiger Zeit gehen immer mehr „Mietercasting“-Portale online. Unter Mietercasting ist zu verstehen, dass der Mieter, also der Interessent, sich auf ein Wohnungsinserat bewerben kann. Dem Vermieter werden die Bewerber dann online präsentiert und er kann sich seinen „Wunschmieter“ aussuchen.

Beim Portal immomio muss der Mieter vorab ein mehr oder weniger ausführliches Bewerbungsformular ausfüllen und unter anderem Angaben zum Gehalt, Familienstand und sonstigen Eckdaten machen. Das muss ein Interessent früher oder später beim Immobilienmakler auch machen – aber da hat der Interessent die Wohnung immerhin schon gesehen und interessiert sich auch tatsächlich dafür. Beim Mietercasting muss der Interessent diese bereits vorab preisgeben.

Der andere Weg: Die Wohnungsauktion.

Mit dem Mietrechtsnovellierungsgesetz kam die sog. Mietpreisbremse. Die Mietpreisbremse soll verhindern, dass Wohnraum bei Neuvermietung zu teuer ist bzw. wird. Das Portal smmove bietet trotzdem die Versteigerung von Mietwohnungen an. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss auch, dass Wohnungen zum Höchstpreis vermietet werden können. Und dieser Höchstpreis liegt ggf. höher als der vom Vermieter zunächst angestrebte.

Die Mietercasting-Portale sind für Interessenten (Mieter) in der Regel kostenlos, der Vermieter muss hier bezahlen. Entweder eine generelle Einstellgebühr für die Veröffentlichung des Inserats oder auch eine Provision im Erfolgsfall. Die Provision ist jedoch geringer als beim klassischen Makler.

Welche Leistung erhält der Vermieter?

Grundsätzlich muss er alles selbst machen: Profil Wunschmieter erstellen, Fotos vom Objekt machen, Inserat erstellen, Interessenten auswerten, Besichtigungen durchführen. Sicherlich können diese Leistungen dazugebucht werden, aber das kostet selbstverständlich. Leider lässt sich bei keinem Portal ad hoc erkennen, wie teuer die Zusatzleistungen für den Vermieter sind.

Fazit zum Mietercasting

Alle Plattformen geben lediglich die für den Vermieter kostenpflichtige Möglichkeit, ihre Wohnung zu inserieren. Alle anderen Leistungspunkte (Inserat erstellen, Fotos machen, Besichtigungen durchführen) muss der Vermieter selbst stemmen. Die stichprobenartig ausgewählten Wohnungsangebote waren ausschließlich von großen Wohnungsbauunternehmen. Für diese Unternehmen mögen die Portale ein weiterer Vertriebskanal sein. Der private Vermieter hingegen ist wohl mit einer Einzelanzeige in den gängigen Immobilienportalen günstiger beraten. Oder halt mit einem Makler, der dann alle Arbeit abnimmt.

Haben Sie bereits als Vermieter oder Mieter mit den neuen Portalen Erfahrungen gesammelt?

Als einer der nächsten Artikel ist ein Vergleich der Mietercasting-Portale geplant – welche Portale kennen Sie?

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13 Gedanken zu „Mietercasting: Ein neuer Trend in der Immobilien-Branche?

  1. Alles ganz nette Ideen, von denen manche allerdings einer Klage kaum Stand halten dürften. Die Zeit wird es zeigen, aber ich persönlich sage denen keine lange Lebensdauer voraus.

  2. Ich glaube ebenso nicht an einer erfolgreichen Umsetzung der genannten Praktiken. Glaube auch kaum, dass diese Lösungsvorschläge großen Anklang bei Vermietern finden wird zumal Sie ja ohnehin die überwiegende Vermarktung übernehmen. Gerade der persönliche Kontakt zum potentiellen Mieter ist doch gerade das Wichtigste und da sollte sich der Vermieter schon selbst ein Bild machen können. Ich denke am Telefon erfährt man im Vorfeld zu einer möglichen Besichtigung schon so einiges und da kann man schon ganz gut die Spreu vom Weizen trennen und braucht daher kein Internetcasting.

  3. Grundsätzlich finde ich den Unternehmergeist der neuen Portale positiv, einige der Lösungsansätze sind auch wirklich gut und innovativ.
    Es werden jedoch maximal 1-2 der neuen Anbieter die nächsten 18 Monate überleben und dann ein eher bescheidenes Dasein führen. Bei einer Neuvermietung hat man sehr wenig Zeit, dem Vermieter droht Mietausausfall falls er nicht rechtzeitig einen adäquaten Nachfolgemieter parat hat. Die neuen Portale sind einfach zu unbekannt und auf solche Experimente wird sich kaum ein Vermieter einlassen. Zudem sind die allerwenigsten Vermieter internetaffine Hipster. Für Mieter sind diese Portale wenn man nicht allzu unter Zeitdruck steht eine neue Wohnung zu finden vielleicht einen Versuch wert, die Kosten sind ja überschaubar. Für eine erfolgreiche Suche wird man sich allerdings auf mehreren Portalen registrieren müssen um an eine attraktive Wohnung zu kommen.

  4. Schaut doch mal auf faceyourbase, die erste Matchingbörse für den Imobilienmarkt, auch Makler sind hier herzlich willkommen. Viele Münchner Kollegen sind bereits dabei. So können Anbieter dauerhaft kostenlos ihre Objekte auf dem Portal veröffentlichen. Die Mietersuche und das Matching zwischen Mieter & Vermieter erfolgt online. Bei Interesse: http://www.faceyourbase.com

  5. Hallo,

    wir haben salzundbrot und faceyourbase 3 Monate getestet.. Sage und Schreibe „0“ Treffer kamen dabei heraus.. Mietercasting ist im ländlichen Bereich eher uninteressant..

  6. Scheint als ob sich der Markt verändert, der Mangel scheint das Mieter und Käufer Casting zu fördern. Besonders in den Städten wird das Casting eventuell bald zu Normalität. Vorherr hat nur der Makler ausgewählt.

  7. Ich glaube kaum, dass sich derzeit solche Portale, derzeit durchsetzten können. Dafür sind die konservativen deutschen Mieter nicht geeignet.

  8. Es kommt vielleicht auf die jeweilige Region an, wo ein solches Mietercasting stattfindet.

    In Berlin kann man Tag für Tag erleben, wie potenzielle Mieter sich die Klinke in die Hand geben, wenn es darum geht, eine Wohnung zu besichtigen.

    Als Vermieter wäre es mir aber auch wichtig, einen eventuellen Mieter persönlich kennenzulernen. Da reichen mir die gemachten Angaben über irgendwelche Portale nicht unbedingt aus.

  9. Salzundbrot ist gerade von IS24 geschluckt worden, somit nicht mehr auf dem Markt.
    Vermutlich ist das aus meiner Sicht die beste Chance für die Portale. Aus meiner Sicht ist kein Modell dabei, dass eine wirkliche Chance auf dem Markt hat.

  10. Scout hat hier eine sehr interessante Strategie. Sie haben auch classmarkets, flowfact und andere erworben. Am Neubaukompass sind sie interessiert. Der Hype bzgl. der neuen Portale ist immens und hier wird sich die Spreu vom Weizen noch trennen…
    Die Erwartungen der Start-Ups war groß, nur leider kann man von heute auf morgen nicht mit einem Zuwachs rechnen der profitabel ist. Der Markteintritt und Erfolg kommt ja nur mit der Masse. Da gibt es schon einige die aufgegeben haben oder in 2016 aufgeben werden müssen. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit unserer Nische Erfolg haben werden. Ab Juni 2016 tut sich da einiges bei uns, trotz zahlreicher Angebote und relativ vielen Suchanzeigen – auch für Kaufimmobilien und Immobilieninvestoren geeignet.

  11. Diese Art von Portalen sind nur darauf aus möglichst viele Nutzer zu bekommen und dann aufgekauft zu werden. Um Geld verdienen geht es da gar nicht mehr

  12. Interessanter Beitrag. Ich habe noch kein Gefühl dafür entwickelt, ob Portale dieser Art langfristig eine Zukunft haben. Allerdings und abgesehen davon gibt es auch große Portale im Netz, in denen Sie völlig kostenlos und in unbegrenzter Anzahl Wohnungen inserieren können.

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